Projekte

Fachkräftemangel in der häuslichen Kinderkrankenpflege
Projektlaufzeit: 2014 bis 2017

Als Kooperationspartner sind wir am Forschungsprojekt des Netzwerks für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher e.V. beteiligt.

Ziel dieses Projektes ist es, Ursachen zu erforschen und Lösungsansätze zu entwickeln, um den Fachkräftemangel in Niedersachsen zu überwinden!

In den 1990er Jahren entstanden in Niedersachsen einige spezielle häusliche Kinderkrankenpflegedienste (Sulingen, Hannover, Göttingen, Oldenburg). Einen entscheidenden Anstoß zu enger Zusammenarbeit erhielten die Pflegedienste durch die Entschließung des Niedersächsischen Landtages vom 13.06.2001 (Flächendeckende Versorgung und Betreuung schwerstkranker Kinder sicherstellen). Projekte, die durch diese bundesweit einzigartige Initiative gefördert wurden, führten zu einer deutlichen Qualitätssteigerung in der Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher zu Hause.

Parallel dazu erkannten die Krankenkassen die Besonderheiten der Pflege von Kindern und Jugendlichen an und waren zunehmend bereit, Einzelvereinbarungen zu treffen oder Sonderverträge zu schließen. Durch die Gründung neuer Kinderkrankenpflegedienste im Land und den Aufbau eigener Abteilungen für Kinderkrankenpflege in Einrichtungen der Erwachsenenpflege konnten deutliche Fortschritte in Richtung Flächendeckung erreicht werden, wenn es auch immer noch unterversorgte Gebiete in einigen Teilen Niedersachsens gibt.

Diese insgesamt sehr positive Entwicklung droht umzukippen. Seit einigen Jahren ist ein deutlicher Mangel an qualifiziertem Fachpersonal in der Kinderkrankenpflege zu beobachten. Wie eine Umfrage unter 22 häuslichen (Kinder-)Krankenpflegediensten in Niedersachsen vom Februar 2012 ergab, hat der Mangel inzwischen eine Dimension erreicht, der die häusliche Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher ernsthaft gefährdet.

Die Folgen einer solchen Situation sind gravierend: Die Absage einer Versorgung führt nicht nur bei den Eltern zu Enttäuschung und gelegentlichem Unverständnis, sondern bei den Pflegediensten zu Unzufriedenheit und Frustration, sind sie doch ursprünglich mit dem Ziel angetreten, schwerkranken und schwermehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen ein Leben zu Hause zu ermöglichen. Muss ein Dienst innerhalb der Versorgung abgesagt werden, weil eine Mitarbeiterin erkrankt und bei der dünnen Personaldecke kein Ersatz möglich ist, fühlen sich die Eltern vom Pflegedienst im Stich gelassen. Besonders für alleinerziehende Mütter ist der Ausfall eines Dienstes nur schwer aufzufangen. Nicht selten führt diese Situation zu einem Imageverlust des Pflegedienstes. Auch ist die Suche nach Fachpersonal für die Pflegedienste mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden.

Damit die Fortschritte auf diesem Gebiet nicht verloren gehen, ist es dringend geboten, der Entwicklung gegenzusteuern. Ein einzelner Pflegedienst ist dazu nur bedingt in der Lage, da es gilt, die Ursachen des Fachkräftemangels genauer zu untersuchen, um konkrete Lösungen zu finden. Durch die geplante generalistische Ausbildung aller Pflegeberufe wird es voraussichtlich zu gravierenden Veränderungen in der Pflegelandschaft kommen. Es ist offen, wie sich das vorgesehene Pflegeberufegesetz auf den Fachkräftemangel in der Kinderkrankenpflege auswirken wird. Soweit möglich, ist deshalb die zukünftige Entwicklung mit zu berücksichtigen.

Neben den betroffenen Familien und den Pflegediensten liegt es auch im Interesse der Krankenkassen, ihrem Versorgungsauftrag entsprechend für eine ausreichende und qualitativ hochwertige Versorgung ihrer Mitglieder zu sorgen.